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Mannsbilder!? Einfach mal die Klappe halten

Rassistische Beleidigungen, verbale Attacken und Drohungen aller Art, Spott, Hohn und Hänseleien. Es ist mal wieder ein ganz normaler Nachmittag auf dem Fußballplatz. Oder vielmehr auf der Zuschauertribüne. Denn spielen tut mein 10-jähriger Sohn, seine Kameraden und die Kinder der gegnerischen Mannschaft. Sie alle bleiben friedlich und sportlich fair.

Vom Spielfeldrand dagegen grölt, schreit und schimpft es: Väter und Mütter, die beim Spiel ihrer Kinder die Haltung verlieren, offensichtlich bemüht, ihre eigene Bedeutungslosigkeit zu übertönen. Dass die eigenen Kinder nur Spaß haben wollen, ohne Rücksicht auf den Ernst der Situation, das wird man ihnen schon austreiben. Wäre ja noch schöner. So viel Talent, vergeudet bei Spiel und Spaß. Nix da. Die ganze Zeit und das ganze Geld, dass man investiert hat, dass muss sich ja rentieren (tatsächlich werden schon in den unteren Altersstufen Transfersummen bezahlt, allerdings von den Eltern an die Vereine). Also werden die Kinder angebellt und Kommandos über den Platz geschrien. Der unfähige Trainer wird gleich mit angepöbelt, wenn er die geballte Expertise an der Seitenlinie nicht zu schätzen weiß. Und der Schiedsrichter, der soll froh sein, dass man ihn sich nicht in irgendeiner dunklen Ecke zur Brust nimmt – und ist es wahrscheinlich auch. 

Jugendfußball ist nichts für schwache Nerven. Die Unheilvollen sind schon von Weitem zu erkennen, Bierflasche in der einen, Zigarette in der anderen Hand. Während des Spiels fuchteln sie mal mit der Zigarette mal mit der Flasche vor den Gesichtern der Kinder herum und geben allen Umstehenden lautstark tiefe Einblicke in ihre Gemütslage und seelische Verfassung. Weniger agile Zeitgenossen rücken auch schon mal mit Campingstühlen an. Das hat den Vorteil, dass die 150 Kilo Sportlerfett nicht so an den Gelenken zerren. Brüllen kann man schließlich auch im Sitzen.

Je nach Spielverlauf werden die Gegner (Kinder) entweder beschimpft oder mit Hohn und Spott überzogen. Die Kinder fühlen sich unter Druck gesetzt, sind verunsichert, gekränkt und verängstigt. Und schämen sich für ihre eigenen Eltern. Keine guten Voraussetzungen, geht es beim Kinderfußball doch vor allem um eigenverantwortliches Handeln, darum, selbst Entscheidungen zu treffen und aus den Fehlern oder Erfolgen zu lernen. Schreihälse am Spielfeldrand sind da keine große Hilfe. Also liebe Eltern, einfach mal die Klappe halten.

Wer glaubt ich übertreibe: Hier schauen oder hier schauen oder auch hier

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Diskussionen

Ein Gedanke zu “Mannsbilder!? Einfach mal die Klappe halten

  1. Reblogged this on KINDgerechtblog und kommentierte:
    Als Eltern geht man durch tiefes Leiden 😉

    Verfasst von kindgerechtblog | November 1, 2012, 9:43 pm

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