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Mannsbilder!? Verflucht nochmal

Wenn die eigenen Kinder für sich die Welt der Schimpfworte entdecken, ist die Empörung der Eltern natürlich unvermeidlich. Sofort werden Gegenmaßnahmen eingeleitet, ein Exorzismus so zu sagen, um dem teuflischen Treiben ein Ende zu setzen. Die Aufregung ist groß.

Elternratgeber geben allerhand Ratschläge, wie dem rhetorischen Fiasko am besten zu begegnen sei. Einige sind dabei derart wahnwitzig, dass das berühmte Stück Seife im Mund wie die reinste Kuschelpädagogik wirkt. So soll das Kind beispielsweise „spielerisch“ die Situation erleben, verbal beleidigt und beschimpft zu werden, um so die Wirkung der Worte selbst zu erfahren. Super! Seelische Folter als Therapie. Das Kind möchte ich sehen, das danach nicht die Welt und seine Eltern lauthals verfluchend durchs Leben geht. An anderer Stelle lese ich, dass ich mein Kind zum Fluchen in sein Zimmer sperren soll, und dass ich, falls die kindliche Litanei weiterhin unüberhörbar bleibt, mit Radio und Musikanlage dagegen halten soll. Ein Wettrüsten zwischen Eltern und Kind gewissermaßen, Kalter Krieg inklusive. Wie man allerdings reagiert, wenn die Nachbarn – ob der Ruhestörung durch Radio, Musik und Kindergeschrei – laut fluchend und zeternd vor der Haustür stehen, darüber liest man nichts.

Eine weitere wichtige Erkenntnis lässt sich aus diesen Ratgebern gewinnen; nämlich dass das eigene Kind diese unerwünschten Schimpfworte ausschließlich bei anderen Kindern aufschnappt; und nicht bei den so sorgsam um eine „saubere“ Sprache bemühten Erwachsenen. Wenn aber der Ursprung nur im Kind zu suchen ist, wohin führt uns das gedanklich? Zu einem Urknall, nachdem Kinder einfach anfingen zu fluchen, ganz ohne ersichtlichen Grund? Massive Zweifel daran, dass es immer nur an den Anderen liegt, kamen mir das erste Mal, als mein Sohn anfing, Worte wie „Shit“, „Damn“ und „Merde“ zu benutzen. Die kamen mir so seltsam bekannt vor. Wer es immer noch nicht verstanden hat, dem möge ein kleines Experiment weiterhelfen: Bevor ihr beim nächsten verbalen Ausfall eurer Sprösslinge wieder an die Decke geht, hört ihnen erst einmal gut zu. Und versucht euch dann zu erinnern, wo ihr diese „schmutzige“ Sprache zuletzt gehört habt! Spätestens dann sollte euch ein Licht aufgehen.

Wer also nicht möchte, dass seine Kinder fluchen und schimpfen, der sollte zu allererst selber darauf verzichten. Dass „Mann“ etwas nicht sagt, ist für Kinder wenig nachvollziehbar, solange Papa sehr wohl so redet. Und während ihr darüber nachdenkt, findet ihr vielleicht auch eine Antwort auf die Frage, was denn überhaupt so schlimm ist am Fluchen. Ich tue es regelmäßig, meine Frau ebenso. Wenn auch nicht in der Öffentlichkeit. Manche Situationen schreien geradezu nach einem kräftigen Ausbruch. Zum Beispiel, wenn ich mir mit dem Hammer auf den Daumen schlage oder mich beim Gemüseschnippeln verletze. Ein „Scheiße!“ wirkt da schmerzlindernd.

Natürlich gibt es auch bei mir Grenzen: Worte, die zu Schimpfworten umgemünzt werden, und dadurch z.B. chauvinistisch oder sexistisch prägen, sollten früh thematisiert und unterbunden werden: Schwuchtel, schwul, behindert, Schlampe etc. sind inakzeptabel und tabu. Hier sollte interveniert werden. Vielleicht kennt ihr und euer Kind ja jemanden, der homosexuell oder körperlich oder geistig beeinträchtigt ist. Diese Menschen als positive Beispiele zu zitieren, ist meist sehr effizient (Vorsicht, bei „der Schlampe“ ist das natürlich weniger gut). Und wenn alles scheitert, bleibt ja immer noch die „Mundspülung“.

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