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VaterGedanken – Kinder und Messer

„Messer, Gabel, Scher‘ und Licht, sind für kleine Kinder nicht!“ Meine Eltern bemühten diese freundliche Ermahnung in meiner Kindheit regelmäßig; natürlich, um mich vor Schaden zu bewahren. Ich empfand das allerdings als wenig hilfreich, bekam ich ihn doch meist erst zu hören, wenn es zu spät war. Die Klinge hatte da schon ihre schmerzhafte Botschaft hinterlassen.

Meinen Sohn lasse ich ohne den Spruch und dafür mit spitzen, scharfen und brennenden „Gefahren“ aufwachsen. Da muss er seine eigenen Erfahrungen machen. Nur daraus wird er klug. Auch hatte ich früh etwas gegen seine allumfassende Definition von „Finger Food“. Da muss ich ihm nicht unbedingt mit einem Verbot von Messer und Gabel in die Hände spielen.

Und wenn er bei der Gabel durchaus noch Spielraum für Diskussionen sieht, ist er beim Messer ganz meiner Meinung: Jungs brauchen das. Messer, Schwerter, Degen, Dolche…sie alle üben eine große Faszination auf Jungs wie ihn aus. Was nicht weiter überrascht. Geschichte, Literatur und Popkultur sind voll von Klingen tragenden, heroischen Stereotypen: Ritter, Römer, Nibelungen; Piraten, Gladiatoren, Musketiere und Abenteurer. Für jeden Geschmack ist was dabei. Auch christliche Ikonen wie Johanna von Orléans, Michael, Karl der Große. Wir reden, hören und lesen von „schneidigen Männern“, gekreuzten Klingen; von Dingen, die „ein zweischneidiges Schwert“ sein sollen oder von solchen, die „auf des Messers Schneide“ stehen. Von Schwertlilien, Schwertwal und Schwertfisch.

Jeder „Mann“ braucht also eine Klinge, und sei es nur zum Rasieren. Oder mehrere: Das erste eigene Messer meines Sohnes war ein Kinder-Schnitzmesser. Seitdem sind Klingen in allen möglichen Variationen und Materialien dazu gekommen. Fischermesser, Schäfermesser, Taschenmesser, Holzschwert, Laserschwert, Metallschwert. You name, he’s got it. Sein ganzer Stolz ist ein originalgetreues Ritterschwert.

Zu jeder Klinge gehört mindestens eine Wunde mit einer guten Geschichte. Meinen größten Schreck bekam ich, als er bei einem Waldspaziergang plötzlich winselnd vor mir stand – seine Lippe war gefangen zwischen Klinge und Schaft seines Taschenmessers. Glimpflich ist auch das ausgegangen. Ein wenig Glück gehört auch dazu. Und es ist ja nicht so, dass wir Erwachsene uns nicht auch hin und wieder in die Finger schneiden würden. Deswegen keine Messer mehr in die Hand zu nehmen, käme uns trotzdem nie in den Sinn.

Es ist elterliche Pflicht, unsere Kinder vor Schaden zu bewahren. Wir können das entweder tun, indem wir ihnen alles verbieten und vorenthalten, was eine Gefahr darstellen könnte. Das wird dann aber schnell anstrengend für die Eltern und langweilig für das Kind. Oder wir unterstützen sie dabei, einen Hauch “Abenteuer” und “Gefahr” zu erleben. Lehrt sie den Umgang mit scharfen Messern, offenem Feuer, spitzen Gegenständen und hohen Bäumen. Lasst sie schnitzen, hämmern, klettern und toben. Natürlich können sie sich dabei auch verletzen. Aber das sind meist kleinere Blessuren, nach wenigen Tagen, manchmal sogar Augenblicken bereits vergessen. Die gemachten Erfahrungen hallen dagegen ein Leben lang.

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Ein Gedanke zu “VaterGedanken – Kinder und Messer

  1. Unser Sohn (8) geht mit Akkuschrauber, Bohrmaschine, Säge und Messer selbstverständlich um. Ich setz morgen mal die funktionierende Hundehütte ins Netz. Es braucht viel Mut von elterlicher Seite, aber ich gebe dir Recht. Es lohnt sich!!!

    Verfasst von Xeniana | Oktober 25, 2012, 5:31 pm

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