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VaterSohnMomente – Freundliche Nachbarn

„Habe ich jetzt gar keinen Platz mehr, an dem ich spielen kann?“ Es klang ein wenig Entrüstung mit in dieser Frage, ein wenig Enttäuschung, vor allem aber Unverständnis. Mein Sohn hatte wieder mal Schwierigkeiten, die Welt der Erwachsenen zu verstehen.

Gerade hatte die Nachbarin geklingelt und sich darüber ausgelassen, dass mein Sohn, wenn er auf der Straße schnitzt, den Dreck bitte auch wieder wegfegen sollte. Nun ist das eine Selbstverständlichkeit und mein Sohn und seine Freunde haben sich auch die allergrößte Mühe gegeben. Allerdings befand die Nachbarin das Ergebnis sei unbefriedigend. Ein wenig stirnrunzelnd gab ich zur Antwort, dass die Kinder morgen ohnehin wieder schnitzen würden. Dann werde man mal sehen. Das war zwar nicht exakt das, was sie hören wollte, reichte aber, um sie wieder loszuwerden. Als Vater bin ich es ja gewohnt mit meinen Mitmenschen in einem dauernden Konflikt zu leben, wenn ich mich weigere, die Kinder permanent zu fesseln und zu knebeln.

Am nächsten Tage habe ich dann aber tatsächlich geholfen, alles wieder in einen ordnungsgemäßen und zufriedenstellenden Zustand zu setzen. Was gar nicht so einfach war, schließlich musste ich die Holzspäne zwischen dem Laub von Nachbar’s Baum und dem ganzen anderen Dreck, der sich so auf der Straße ansammelt, erst mal finden. Alles, was nicht durch das Schnitzen oder anderes Kinderspiel verursacht wurde, ließ ich schön liegen. Offensichtlich stört ja nur, was von Kinderhand stammt.

Gemeinsam beobachteten mein Sohn und ich dann vom Kinderzimmerfenster aus, wie die Nachbarin alles inspizierte und sich dann ihren Besen schnappte, um das Laub aufzufegen. Bei anderen Gelegenheiten hatten wir dabei immer freudig geholfen (mein Sohn hat nämlich seine mir gänzlich abgehende Freude am Besenschwingen). Diesmal empfanden wir wohl beide nur eine gewisse Genugtuung. Pädagogisch wertvoll geht sicher anders. Nobody is perfect.

Auch wenn die Sache für mich damit erledigt ist und mein Sohn seine Zuversicht zurück gewonnen hat, dass wir ihm weiterhin seinen Spielraum verschaffen werden: Mal schauen, ob ich auch dieses Jahr wieder keinerlei Interesse daran zeige, dass die Berge von Sand und Salz, mit denen unsere Nachbarn auch die letzte Schneeflocke bekämpfen, wieder entsorgt werden.

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Diskussionen

Ein Gedanke zu “VaterSohnMomente – Freundliche Nachbarn

  1. O Gott also ich hab heute erst so eine Nachbarschaftsgeschichte gehört. der Nachbar hatte sich über den Bärenklau von Meier beschwert und gefordert diesen zu beseitigen. Meier hat den Bärenklau beseitigt ,zerhäckselt und in Nachbars Garten verstreut.Klingt nach einer guten idee oder. „Lasst die Kinder spielen!“

    Verfasst von Xeniana | Oktober 20, 2012, 4:35 pm

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