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VaterGedanken – Kinder und Medien

Die Blogs mamamia und paparockt verfolgen eine sehr interessante Idee, die sie Kontrablogging genannt haben und bei der es im Wesentlichen darum zu gehen scheint, die Sichtweisen einer Mutter denjenigen eines Vaters gegenüber zu stellen. Da freue ich mich schon auf ein paar Kontroversen. Hin und wieder kommt das „Kontra“ aber wohl zu kurz, wie zuletzt beim Thema „Kinder und Medien“. Sehr schade. Da ich die beiden nicht kenne, und somit alle diplomatische Zurückhaltung fahren lassen darf, die uns hin und wieder ja, um des lieben Hausfriedens Willen, an echtem Meinungsaustausch hindert, springe ich hier ein. Ich hoffe die beiden nehmen mir das nicht übel – ist nicht persönlich gemeint.

Zum Thema: Allenthalben beschäftigt Eltern die Frage, wie sie sich in ihrer Erziehung zum Thema Medien, oder genauer elektronische Medien, positionieren sollen. Stichwort Medienkompetenz. Dabei sollte es in erster Linie darum gehen, Kenntnisse zu vermitteln, die nötig sind, um sinnvoll mit (elektronischen) Medien umgehen zu können. Viele Eltern scheinen aber der Ansicht zu sein, dass bloßer intensiver Medienkonsum schon irgendwann zu Medienkompetenz führt. Nun ja, da kann man wohl zwei Meinungen haben.

Paparockt erzählt uns, dass er – im Anschluss an einen Urlaub ohne digitale Medien (bemerkenswert, dass das bemerkenswert ist) – eine sechsstündige Autofahrt mit zwei Kindern „ohne digitale Medien nicht ohne Nervenzusammenbruch“ überstanden hätte. Ich stimme ja zu, dass lange Autofahrten in den meisten Fällen tatsächlich Nerven aufreibend sind. Und vielleicht hilft es ja, wenn man sich als Fahrer via digitalen Overkill wegdröhnt. Das wäre durchaus mal den Versuch wert. Meinen Kindern möchte ich so eine Dröhnung allerdings nicht zumuten. Überhaupt stellt sich die Frage, wie unsere Eltern solche Fahrten, in deutlich unbequemeren Vehikeln, so ganz ohne Spielekonsolen und Rear-Seat-Entertainment, geschafft haben. Here is a thought: Wie wäre es mit Konversation. Es kann doch nicht sein, dass sich Familien heute nichts mehr zu erzählen haben. Und wenn einem die Themen ausgehen hilft ein Blick aus dem Fenster. Kinder können einen da doch ein Loch in den Bauch fragen! Wir als Eltern müssen uns nur die Mühe machen, unsere Antworten nicht auf Drei-Wort-Sätze zu beschränken. Natürlich brauchen Kinder hin und wieder spielerische Ablenkung. Ich erinnere mich an jede Menge Spiele, die den Kopf statt ausschließlich die Daumen gefordert haben. Wortspiele, Kennzeichenraten, Ichsehewaswasdunichtsiehst und Rechenspiele. Stundenlang! Ok, vielleicht kam mir das auch nur stundelang vor; aber danach habe ich erst mal die Klappe gehalten und meine Eltern nicht zu weiteren gemeinsam Spielen aufgefordert!

Und weiter geht’s: paparockt eröffnet das Thema Fernsehen mit der Frage, ob davon alle oder nur die dummen Kinder dumm werden. Großartig! Soviel Dummheit auf einmal! mamamia und paparockt bloggen sich und uns dann erst mal das Fernsehen schön. Hier einige ihrer Argumente pro Fernsehen:

Die Kiste sei ein guter Lernkanal, schreibt paparockt, und ein positives Werkzeug für die Bildung von Kindern. Man müsse nur ein paar „schlaue“ Richtlinien beachten, etwa über das Gesehene reden oder Themen bezogene Bücher einbinden. Ja super. Der Fernseher ist also ein tolles Werkzeug, solange im Anschluss die Bildung über Gespräche und Bücher nachgeholt wird. Auch nicht schlecht. Während der Sendung soll man die Kinder durch Zwischengequatsche ja nicht stören, da könnte man, wie mamamia einwirft, ja gleich ein Bilderbuch angucken. „Ja! Genau!“ möchte man rufen. Bevor ich als Dogmatiker abgekanzelt werde: Bei älteren Kindern (und mit älter meine ich mindestens fortgeschrittenes Grundschulalter) lassen sich Fernseher und Computer durchaus in den Prozess der Wissens- und Informationsgewinnung gezielt und unter Aufsicht einbinden. Natürlich kann man, nachdem das Kind mehrere Bücher zu einem Thema gelesen hat und die in der Nähe befindlichen realen Plätze dazu ebenfalls bekannt sind, auch mal eine Sendung oder einen Film dazu schauen. Um Missverständnissen vorzubeugen; man weiß ja nie: Das bedeutet nicht, nach einem Zoobesuch einen „Madagaskar-Eins-bis-X“-Kinoabend einzuschieben. Und bitte, für die 90% überdurchschnittlich intelligenten Kinder gilt das gleiche. Denen schadet lesen lernen auch nicht.

Paparockt führt den Fernseher dann noch als „Erziehungsmittel“ ins Feld. Wahlweise als Sanktion oder als Belohnung. Besonders gefallen hat mir „Wenn Du noch einmal deine Schwester haust, gibts heute keine Minute mehr Fernsehen“. Da lernen alle halbwegs intelligenten lieben Kleinen gleich mal, dass sie ihre Schwester erst dann verprügeln, wenn ihre Lieblingssendungen schon gelaufen sind. Herrlich! Aber vielleicht haben wir ja Glück und fernsehen macht doch dumm. Dann lernen die nicht mal das.

Und dann von beiden noch das unglaublich einleuchtende Argument des digitalen Babysitters. Wenn Mama und Papa mal etwas Zeit brauchen; für Freizeit, Hausarbeit oder Schlaf. Sehr nachvollziehbare Bedürfnisse im Übrigen. Ob es aber richtig ist, das „unternehmensfreudige“ Kind vor dem Fernseher zu betäuben, da habe ich so meine Zweifel. In früheren Zeiten, als die Menschen die Segnungen der medialen Errungenschaften noch nicht kannten oder begriffen, haben Kinder sich zu solchen Gelegenheiten entweder mit sich selbst beschäftigt oder bei der Arbeit geholfen. Und dabei etwas erworben, was in Zeiten der Medienkompetenz wohl nicht mehr wichtig ist: Lebenstüchtigkeit!

Da nicht wenige mir nach der Lektüre wohl so einiges vorwerfen werden – teils zu Recht, teils nicht, alles aber in Unkenntnis meiner Person – ein paar Anmerkungen: Nein, wir sind kein Technologie feindlicher Haushalt. Beide Elternteile arbeiten in IT- und Technologiebranchen in leitenden Positionen. Wir haben täglich mit aktuellen und vermeintlich zukünftigen Technologien und Medien zu tun. Abgesehen von einem Fernseher ist unser Haushalt voll mit Technik-Equipment. Und ich habe Wein im Kühlschrank, ein Schweißgerät im Keller und ein Auto vor der Tür. Die teile ich auch nicht mit meinem minderjährigen Sohn. Will er aber auch nicht – der hat ganz andere Interessen. Bewegung zum Beispiel!

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Diskussionen

18 Gedanken zu “VaterGedanken – Kinder und Medien

  1. Das Problem am Medium Computer (jedenfalls ohne Skype) ist, das man die Zwischentöne nicht mitbekommt. Frag mich ob das bei einem Buch genauso ist, aber das ist ja auch nicht so interaktiv.ich verfolge die Beiträge von Mama Mia und Paparockt und liebe den Humor.
    @Papaego Ich hätte deinen Blogeintrag , fundamentalistisch eingefärbt wie du es nennst, auch ernst genommen und bin erst mal erschrocken zurückgewichen. Im realen Leben, bekomme ich Zwischentöne ganz gut mit….Die Gedanken des Morgens:)

    Verfasst von Xeniana | Oktober 19, 2012, 5:02 am
    • Vielen Dank für deinen Kommentar. Dass du erschrocken zurückweichst war natürlich nicht beabsichtigt. Aber: Inhaltlich bleibe ich trotzdem bei meinen Aussagen. Das Fernsehen so wie es sich programmatisch entwickelt hat, ist eine Katastrophe. Wir kommen privat seit mehr als einem Jahrzehnt ohne aus. Ob wir oder unser Kind dadurch weniger „gebildet“ und „entwickelt“ sind, mögen andere entscheiden.
      Aber du hast natürlich Recht, dass Zwischentöne in geschriebenen Texten nur schwer zu identifizieren sind (Für Film und Fernsehen gilt übrigens Ähnliches, da auch hier Emotionen und Notationen in unterschiedlicher Qualität „geschauspielert“ sind). Im Unterschied zu Büchern und redaktionellen Texten, schreiben im Internet aber auch viele „Laien“. Uns gelingt das dann noch weniger.
      Umso wichtiger ist es, dass Kinder erst einmal in echter zwischenmenschlicher Interaktion lernen, „versteckte“ Botschaften zu erkennen. Humor, Scham, Wut, Empörung….all das kann mit denselben Worten zum Ausdruck gebracht werden. Aber Mimik und Tonlage unterscheiden sich. Wenn Kinder das erfassen können, kann ich sie auch auf „künstliche“ Welten loslassen, wo sie sich dann an die Herausforderungen wagen können, an denen wir Erwachsene ja offensichtlich oft genug scheitern.
      Ich hoffe du bist nicht zu weit zurück gewichen, um nicht hin und wieder auch mal wieder vorbei zu schauen.
      Beste Grüße
      papaego

      Verfasst von papaego | Oktober 19, 2012, 8:32 am
  2. Es freut mich, dass das Kontrablogging sozusagen um einen weiteren Teilnehmer erweitert wurde. Genau diesen regen Meinungsaustausch haben wir uns gewünscht. Ein bißchen schade ist es, dass dir entgangen ist, dass sowohl papa rockt als auch ich unsere Artikel stets mit einem Augenzwinkern verfassen. Jetzt wo du es weißt, brauchst du demnächst bei der Pointe vielleicht nicht mehr empört :“ja genau“ zu rufen, sondern kannst auch schmunzeln. Das würde mich freuen.
    Herzliche Grüße
    Mama Mia

    Verfasst von Mama Mia | Oktober 18, 2012, 6:38 pm
    • Mama Mia, natürlich ist mir euer Augenzwinkern nicht entgangen. Wäre dem nicht so, hätte ich mir gar nicht erst die Mühe gemacht, eure Blogs aufzugreifen. So bin ich hoffentlich zu Recht davon ausgegangen, dass ihr eine im Ton ebenfalls provokante Replik nicht persönlich nehmen würdet. Also natürlich habe ich beim Lesen geschmunzelt und beim Schreiben gezwinkert.
      Beste Grüße zurück

      Verfasst von papaego | Oktober 18, 2012, 7:50 pm
  3. „Das Fernsehen macht die Klugen klüger und die Dummen dümmer.“ – das ist natürlich nicht auf meinem Mist gewachsen, und wenn ich es in meinem Beitrag paraphrasiere, dann berufe ich mich auf einen Buchpapst: Marcel Reich-Ranicky. Er wird schon nicht irren, nehme ich an.
    Erstmal: Willkommen im Kontrabloggen. Wir freuen uns natürlich über Beiträge, vor allem auch kritische. Viele Punkte, die Du ansprichst, sind auch sicher nicht von der Hand zu weisen. Allerdings habe ich mir natürlich erlaubt, in meinem Blogbeitrag sehr zugespitzt zu formulieren („Nervenzusammenbruch“ ist ziemlich weit weg von mir. Im Gegenteil, ich lasse mich eher selten aus der Ruhe bringen). Was aber nun gerade die Auto-Situation angeht: Spiele waren ein erheblicher Teil des Zeitvertreibs, und Konversation ebenso (was nicht so einfach ist – den Lärm im Auto übertöne ich vom Vordersitz zum Hintersitz nicht so ohne weiteres sechs Stunden lang). Klaro ging es früher ohne digitale Medien. Aber das ist eben Fortschritt. Man hat heute mehr Optionen, und man wäre dumm, sie nicht zu nutzen. Es muss erst mal erklärt werden, warum das schlechter ist.
    Wahrscheinlich ist das auch der springende Punkt an deinem sonst sehr unterhaltsamen Text. Der Grund, warum ein Tablet etwa schlechter sein soll als ein Buch, fehlt. Oder, an anderer Stelle: es ist schon fast ein Klischee, dass Fernsehen dumme Kinder macht. Aber wo sind die Metriken, die das belegen? Es gibt nicht viele – zumindest nicht, was den moderaten Konsum angeht.
    Es gibt aber durchaus auch Zeichen dafür, dass Lern-TV gut funktionieren kann. Fernsehen hat große Anziehungskraft, und wenn man diese intelligent nutzt, tut man seinen Kindern etwas gutes, meine ich.
    Zu guter letzt muss ich allerdings eines zugeben: der „digitale Babysitter“ ist nicht ideal. Aber Eltern sind auch nur Menschen. Wir versuchen unser Bestes, manchmal wurschteln wir uns gerade eben so durch, ab und zu haben wir Tiefs. Wir sind nicht perfekt, und greifen eben auch zu diesen Mitteln. Eine ehrliche Betrachtung des Themas Fernsehen darf das nicht verschweigen.

    Verfasst von Rocktpapa | Oktober 18, 2012, 3:55 pm
    • muss man sich nur die super gebildeten und intelligenten Amis anschauen…. Die setzen von jeher auf Lern TV mit ganz viel pädagogischen Sendungen. Die müssten alle super gebildet sein…..Sind sie aber nicht. Witzigerweise schaut die Bildungselite dort das alles nicht…Ob das nun ein Indiz dafür ist oder nicht lass ich mal offen… Sind ja keine handfesten Zahlen. Aber es gibt ja inzwischen sehr viele Beiträge zB aus der Hirnforschung (siehe Prof Hüther), die recht eindeutig argumentieren. Aber am Ende muss jeder selber wissen, wie er es macht… In den meisten Großstädten gibt es sowieso den Trend: TV ist so etwas von out… da profitieren dann sicherlich so einige Kinder und dürfen dann mal Abenteuer erleben und nicht nur vom fernen Papa träumen (Augenzwinker @paparockt) Ist wohl ein Thema was keiner so schnell lösen wird und die ganzen TV und Medienkinder sind ja auch noch nicht erwachsen. Also wird man es erst dann wissen.
      Trotzdem dieses Kontrablogging ist doch total cool.

      Verfasst von Miriam | Oktober 18, 2012, 7:42 pm
      • Hallo Miriam,
        ich habe mir erlaubt in einem Post Papaego und dir gleichzeitig zu antworten – siehe unten. Eine persönliche Anmerkung nur am Rande: Amis (und ich fühle mich hier persönlich betroffen) sind nicht dümmer als andere Menschen. Was den im Schnitt geringeren Bildungsgrad angeht, dürfte man die Ursachen vermutlich in der Sozial- und Bildungspolitik suchen, mit der ich persönlich auch nicht einverstanden bin.
        rocktpapa

        Verfasst von Rocktpapa | Oktober 19, 2012, 9:19 am
        • HI Rockpapa,
          nun habe ich auch gar nicht von dümmer gesprochen (das wäre ja auch sehr seltsam. ich gehe hier mal von einer Normalverteilung aus 😉 sondern von ungebildeter. Woran es auch immer liegen mag. Der hohe Konsum von BildungsTV seit Säuglingszeit müsste ja nach deiner These zu einem erhöhten Bildungsniveau führen.
          Dies ist aber nicht der Fall. Auch Kinder, die ihre 3–4 Stunden Bildungsbabytv schauen, sind weder sprachlich und schon gar nicht motorisch weiter entwickelt oder höher gebildet…. Für mich ist das doch ein Indiz, dass Bildung so nicht funktioniert. dh TV als Bildungs’macher‘ eben nicht geeignet ist. Wenn Eltern sich für TV entscheiden, ist es doch ok (jeder hat da seine eigene Meinung, die ich auch respektiere), aber man sollte dann wissen, dass es sicherlich nicht um Bildung geht. Oder hab ich hier einen Denkfehler 😉

          Verfasst von Miriam | Oktober 19, 2012, 12:17 pm
    • Rocktpapa, ich habe ein wenig die Befürchtung, dass du es am Ende doch persönlich genommen hast. Hätte mich gefreut, wenn du dich, wenigstens bei meiner Formulierung mit der „vielen Dummheit“ für die andere der möglichen Interpretationen entschieden hättest. Was Reich-Ranicky angeht, so bezog er sich auf Erwachsene und nicht auf Kinder, und zielte damit ab auf einen Bildungsgrad. Hat man diesen und eine gewisse Medienkompetenz erworben, kann man den Fernseher gezielt nutzen (dass die wenigsten das tun, steht auf einem anderen Blatt). Für Kinder kann das nicht gelten. Trotzdem würde ich Herrn Reich-Ranicky auch widersprechen.
      Es ist mir natürlich nicht entgangen, dass du überspitzt geschrieben hast, und habe deswegen auch mit einem etwas überspitzten Fundamentalismus geantwortet. Am Ende kann niemand Eltern die Entscheidung über den Umgang mit Medien abnehmen und von einigen Extremfällen vielleicht einmal abgesehen, sollten sich andere da mit Kritik zurückhalten. Da schließe ich mich ein. An meiner grundsätzlichen Einstellung ändert das freilich nichts.
      Was die Begründungen angeht: Absichtlich habe ich darauf verzichtet, aus meinem Beitrag ein „Wissenschaftsblog“ zu machen. Im Gegenteil wollte ich ja meine sehr subjektive Sicht zum Besten geben. Allerdings, und da ist mir Miriam nun zuvor gekommen: Es gibt sehr wohl etliche und jüngst immer mehr Stimmen, die auch moderaten Fernseh- und Computerkonsum kritisieren. Prof. Hüther ist einer, Prof. Spitzer ein anderer prominenter und anerkannter „Experte“.
      Schließen möchte ich mit zwei Zitaten von Informatiker und Bundesverdienstkreuzträger Joseph Weizenbaum:
      „Das Fernsehen ist die größte kulturelle Katastrophe, die die Erde in der Zeit, an die wir uns erinnern können, erlebt hat“ und „Computer für Kinder – das macht Apfelmus aus Gehirnen.“
      Ich freue mich auf weitere interessante Diskussionen mit Euch und anderen.
      Beste Grüße

      Verfasst von papaego | Oktober 18, 2012, 8:30 pm
      • Ach I wo, persönlich nehme ich so etwas nicht. Ich habe mich ehrlich gefreut über deinen Standpunkt. Was aber nichts daran ändert, dass ich sowohl Miriam als auch dir widerspreche: Fernsehen macht nicht automatisch dumm. Ist vermutlich wie mit Alkohol: in geringen Dosen genossen hat es Vorteile.
        Insbesondere Miriam lässt sich dabei von dem Klischee des dummen TV-Glotzers blenden. Die Generation der TV- und Medienkinder ist längst sehr erfolgreich im Erwachsenenleben angekommen. Sie ist nicht dümmer als die davor, im Gegenteil: historisch steigen die durchschnittlichen IQ-Werte trotz TV, Computer und Medien.
        Was Weizenbaum angeht, habe ich ehrliche Zweifel. Er war 85, als er das Zitat abgab – nicht gerade ein Lebensabschnitt, in dem Menschen üblicherweise offen gegenüber Neuem sind. In seinem Fall war es vermutlich das Eliza-Erlebnis, dass ihn geprägt hat. Dabei hat er (er war eben kein Soziologe) übersehen, dass Neues in einer Gesellschaft immer erst mal komische Blüten treibt. Sehr bald lernen die Menschen aus ihren frühen Fehlern, gewöhnen sich daran und sind hinterher schlauer als zuvor. Zudem hatte W. sich ja als einen notorischen Querulanten und Abweichler charakterisiert – eine Rolle, die sein Selbstverständnis vermutlich stark prägte. Dass er 2005 also gegen die heilige Kuh Computer wettert, ist sehr vorhersehbar.
        Nichts desto trotz: es ist richtig und wichtig, kritische Fragen zur Medien- und Computernutzung unserer Kinder zu stellen. Nicht alles ist in jedem Alter gut. Es wird zu jedem Zeitpunkt solche geben, die blauäugig an die Sache herangehen, und solche, die mit übergroßer Vorsicht und Kulturpessimismus bremsen. Beide Funktionen sind wichtig, aber ich habe keine Zweifel, dass der Trend in die richtige Richtung geht und uns alle geistig und (ja, auch das) seelisch reicher macht.

        P.S. Einer der ersten Suchtreffer für das Apfelmus-Zitat ist lustigerweise eine Sammlung von irrigen technophoben Vorhersagen, von der Eisenbahn bis zum Internet :http://www.webpolitics.de/?p=825

        Verfasst von Rocktpapa | Oktober 19, 2012, 9:16 am
        • Die Kommentare nehmen mittlerweile ja mehr Raum ein als der Post. Aber ich schätze Dialoge ohnehin mehr als Monologe.
          Es scheint an der Zeit meinen Post ein wenig zu relativieren: Was ich kritisiere ist Fernsehen im klassischen Sinn, also den programmatischen Blödsinn, der täglich über den Bildschirm flimmert und damit entweder den Tagesablauf „diktiert“ oder wahllos konsumiert werden muss. Das liegt nun mal in der Natur der Sache. Ansonsten brauche ich schon viel Glück, zufällig zur richtigen Zeit die richtige Sendung zu treffen. Natürlich kann man das Medium „Bildschirm“ mit ein wenig Mühe auch als ergänzende Unterhaltungsquelle nutzen, ohne gleich Schaden bei den Kindern anzurichten. Wie du schreibst ist es eine Frage der Dosis und des Alters. Und wir sind uns sicher einig, wenn ich das ergänze um den inhaltlichen Aspekt. Auch mein Sohn darf – in Ermangelung eines Fernsehgeräts am Monitor – hin und wieder altersgerechte Filme und Dokumentationen schauen. Immer allerdings mit der Maßgabe, dass er, sofern vorhanden, VORHER die literarische Vorlage gelesen haben muss. Aber das ist unser Weg und ich bin hier ja auf keinem missionarischen Feldzug, trotz meiner Abneigung gegen TV. Die Frage, was altersgerecht ist, müssen Eltern letztlich individuell für ihre eigenen Kinder beurteilen. Was ich aber grundsätzlich ablehne sind Serien, da diese die Kinder in den meisten Fällen „süchtig“ machen nach der Fortsetzung.
          Was die gestiegenen IQ-Werte angeht, würde ich die Ursachen nicht bei TV, Computer und Medien suchen wollen. Die sind, wie du sagst, TROTZ der technischen Entwicklung gestiegen.
          Und, ach ja, Weizenbaum. Da habe ich weniger seine Gedanken als vielmehr nur seine Worte „stehlen“ wollen. Ohne mich jetzt von ihm distanzieren zu wollen. Und dass Internet, Computer, Film etc. für ERWACHSENE ein sinnvolles Werkzeug sein können, steht ja außer Frage. Wie beim Alkohol; der hat seine guten Seiten, aber eben nicht für Kinder.

          Verfasst von papaego | Oktober 19, 2012, 10:01 am
        • Hallo Paparockt: zu dem angekommen und erfolgreich angekommen muss ich doch noch etwas sagen… 1. die Generation die jetzt angekommen ist, hat lange nicht so viel TV gesehen, wie die heutige Generation. 2. wäre es interessant zu sehen, welche Menschen zu den Highbrainern gehören in der IT Branche. Sicherlich nicht die, die seit Babyjahren vor irgendwelchen Games und TV sitzen. 3. Gab es noch nie soviele volle Psychiatrien oder so viele Burnouts (und jetzt versteh mich nicht falsch, ich will es nicht auf TV schieben. Das wäre viel zu einfach. Aber dann von den super angekommenen, resilienten und fähigen Erwachsenen zu reden, fällt mir schwer… ) Und noch ein kleiner Einschub: ich sage jetzt nicht: alles war früher besser und die Jugend von heute… hab nur manchmal einen kleinen Hänger, wenn ich die Absolventen und jüngeren Mitarbeiter sehe…

          Verfasst von Miriam | Oktober 19, 2012, 12:47 pm
  4. Gute Idee mit diesem Kontrablogging… macht Spaß alle Meinungen tu lesen und je konträrer desto interessanter

    Verfasst von Miriam Schnürer | Oktober 18, 2012, 2:14 pm
    • Vielen Dank für den Kommentar. Ganz der gleichen Meinung. Der Respekt für die Idee gebührt an der Stelle natürlich nicht mir, sondern den beiden Blogs von paparockt und mamamia. Bin da gewissermaßen nur Trittbrettfahrer.

      Verfasst von papaego | Oktober 18, 2012, 2:30 pm

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